Erfolgskonzept ProvenSys
Was bewegt ein mittelständisches Unternehmen dazu, ein eigenes ERP-System zu entwickeln?
Nachdem wir beauftragt wurden, für ein weltweit tätiges Unternehmen ein Pflichtenheft für ein ERP-System zu erstellen, stellten wir fest, dass es das System, das sich der Kunde wünschte in dem vorgegebenen Preissegment nicht zu geben schien.
Was wünschte sich der Kunde?
Er wollte ein System, dass ihm zu jedem Zeitpunkt des Produktionsprozesses möglichst genau und detailliert die konkreten Kosten der einzelnen Aufträge anzeigen konnte. Dem entgegen stand, dass die Erfassung aller relevanten Daten möglichst schnell, einfach und fehlerfrei erfolgen sollte. Zudem waren seine Produkte sehr flexibel, d.h. jeder seiner Kunden konnte unter einer Vielzahl von verschiedenen Varianten auswählen. Die Vorkalkulation bzw. Preisberechnung, die abhängig von der jeweils vom Kunden gewählten Variante war, sollte komplett im System
abbildbar sein. Zu guter letzt wollte unser Auftraggeber noch wissen, wie sich seine Kosten auf Material, Arbeitszeit und Betriebsmittel aufteilen. Da teilweise auch während der Produktion vom Kunden noch Informationen und Wünsche zum Auftrag eingehen, sollte daneben auch der komplette Kommunikationsfluss übersichtlich in das System eingebettet sein.
Warum konnte ein entsprechendes System nicht (so einfach) gefunden werden?
Weil schon alleine die Preisberechnung unter den gegebenen Prämissen zu komplex war.
Ein Blick in die Praxis
Wenn ein Endkunde bei einem Artikel zwischen folgenden Varianten wählen kann
- 3 Farben
- 5 Längen
- 2 Höhen
so ergibt dies 3 * 5 * 2 = 30 Kombinationsmöglichkeiten.
Je länger und je höher das Produkt wird, umso teurer wird es - wobei natürlich die sich ständig verändernden Rohstoffpreise nicht vergessen werden dürfen. Außerdem ist eine der Farben eine Sonderfarbe, die einen Aufschlag beinhaltet. In der Vergangenheit wurde die Preiskalkulation mit Excel (R) durchgeführt. Im Endeffekt wurden dann im ERP 30 Artikel angelegt, und die Preise aus Excel übernommen. Genau das sollte aber vermieden werden.
Nach genaueren Analysen und Planungen entwickelten wir ein Konzept, dass allen Wünschen des Kunden Rechnung trug und mit einer der modernsten Programmiersprachen erfolgreich umgesetzt werden konnte.
Warum griffen wir nicht Open Source (OS) zurück?
Es gibt in Open Source interessante Lösungen in nahezu allen Bereichen. Aber ein ERP-System besteht aus zig-tausenden Lines Of Code. Wenn ich eine Software Up To Date halten will, muss daran permanent weiterentwickelt werden. Um daran arbeiten zu können, muss ich sie aber bis ins Detail kennen. Das bedeutet, irgendjemand aus meinem Unternehmen muss diese abertausende Zeilen Programmquelltext nicht nur lesen, sondern auch verstehen. Das ist ein enormer Aufwand! Die nächste zwingende Frage bei OS ist: wer waren die Entwickler des OS-Codes? Haben dort Diplom-Informatiker Ihre Freizeit geopfert, oder wurde das Projekt als "Feierabendvergnügen" von Hobbyprogrammierern entwickelt? Sollte sich herausstellen, dass in dem Projekt konzeptionelle Fehler beinhaltet
sind, könnte es sein, dass man nahezu bei Null wieder anfangen muss... Open Source war zu riskant!
Wie konnten wir das alles entwickeln?
Moderne Software wird in Schichten entwickelt. D.h. man hat eine Datenbankschicht, die sich nur um die Speicherung der Daten kümmert. Darüber liegt die sogenannte Business-Logic, die die ganzen Abläufe und Zusammenhänge im Unternehmen kennt und sich um die Algorithmen und Validierung der Daten kümmert. Als oberste Schicht existiert das Benutzer Front-End, das sich nur um die Kommunikation mit dem Anwender kümmert und die grafische Aufbereitung der Daten übernimmt. Das Benutzer Front-End kann dann entweder als Windows Formular oder als Internet-Seite, Online-Shop oder auch Applikation für Mobile Devices, wie z.B. Handy oder Palm abgebildet werden. Damit entsteht eine Anwendung für verschiedenste Einsatzgebiete. Kann ein außenstehender Softwareentwickler mittels Schnittstellen, wie z.B. Web Services dann noch auf die Business-Logic zugreifen, hat man im Bereich der Software genau das erreicht, was uns die Haushaltsgeräteindustrie schon seit Jahren vorführt: das Innenleben einer Waschmaschine ist nahezu überall identisch, die Hersteller kleben nur noch ihre unterschiedlichen Logos auf das Gehäuse. Aus diesem Grund nennen wir unseren Business-Layer auch unsere ERP-Engine, die für verschiedenste Zwecke von externen Softwareentwicklern genutzt werden kann.
Wie wurde das Formelsystem realisiert?
Durch die modernen Möglichkeiten von .NET ist es möglich, in einer laufenden Anwendung neuen Quellcode zu kompilieren und ausführen zu lassen. Dies machten wir uns zunutze und ermöglichen damit unseren Kunden selbst Programmcode und Formeln in unserer Anwendung zu erstellen, die zur Berechnung der Preise und Stücklisten verwendet werden können. Selbst Verzweigungen (if .. then .. else) sind damit möglich und eröffnen die Möglichkeit Bedingungen in die Stücklisten einzubauen, wie z.B. wenn die Tür höher als zwei Meter ist, dann werden anstelle einer Verstrebung zwei Verstrebungen benötigt.
Wie funktioniert das Customizing?
Jede Firma, die eine IT-Abteilung beherbergt, die in irgendeiner Programmiersprache entwickeln, die von .NET unterstützt wird (z.B. C++, Visual Basic oder C#) kann den Funktionsumfang unseres Formelsystems einfach erweitern. Diese neuen, vom Kunden selbst programmierten Formeln sind dann im ProvenSys Expression-Designer sofort sichtbar und können von dort aufgerufen werden. Damit sind der Fantasie keine Grenzen mehr gesetzt. Von der Einbindung von Echtzeit-Maschinendaten bis hin zur Anlagensteuerung der Produktionsstraßen bleiben keine Wünsche mehr offen.
Wie werden die Daten erfasst?
Durch den konsequenten Einsatz von Strichcodes im gesamten Unternehmensbereich (von Arbeitnehmernummern über Lagernummern, bis hin zu Artikel-und Maschinennummern) konnte erreicht werden dass nahezu jede Datenerfassung mittels Strichcode erfolgen kann. Das vermindert zum einem ganz enorm die Fehlerquote, da sich niemand mehr "vertippen" kann. Zum anderen wird die Eingabe zeit auf Sekunden, b.z.w. Millisekunden verkürzt! Durch die Verwendung der gleichen Daten wie im RFID Bereich kann das System problemlos auch mit RFID Chips betrieben werden.
Wie kann eine kleine Firma ohne eigene Vertriebsabteilung ein ERP System weltweit vertreiben?
Durch Kooperationen beispielsweise über das IT-Forum Niederbayern ist es uns gelungen Kooperationspartner zu finden, die sich am Vertrieb beteiligen. So konnten wir mit ADDISON Straubing eine Zusammenarbeit vereinbaren indem wir die ADDISON FiBu und Lohnabrechnung in unser System integrierten. Durch die Gründung einer eigenen Gesellschaft in USA zusammen mit einem Kunden unseres ERP-Systems war es uns möglich auch auf dem amerikanischen Markt präsent zu sein. Durch weitere Kooperationen mit Softwarehäusern, die unsere ERP-Engine verwenden wollen, wollen wir unser Vertriebsnetz und unsere Marktdurchdringung weiter ausbauen.